„Es macht mich sehr glücklich, dass immer mehr Mädchen zu uns in die Jugendfeuerwehr kommen.“

Eine junge Familie und die Freiwillige Feuerwehr – wie passt das zusammen? Besser als man denkt, weiß Lydia Marquardt, Feuerwehrfrau und Kommissaranwärterin. Im Interview berichtet sie, wie man Familie und Feuerwehr unter einen Hut bekommt, warum Kameradschaft noch mehr bedeutet als Freundschaft, warum es Frauen und Männer braucht – und warum sie den Mädchen in der Jugendfeuerwehr ein Vorbild sein möchte.

Name
Lydia Marquardt

Alter
23

Dienstgrad
Feuerwehrfrau

Wache
FF Falkenberg

Beruf / Ausbildung
Kommissaranwärterin Berliner Polizei

Lydia, wie bist du zur Freiwilligen Feuerwehr gekommen?

Eine Freundin aus der Schule berichtete mir von ihrem Hobby in der JF und ich begann mich ebenso dafür zu interessieren. Darum bin ich vor 12 Jahren in die Jugendfeuerwehr Karlshorst eingetreten. Unser Jugendwart bereitete uns spielerisch auf die echten Situationen vor. So sind wir öfters mit dem LF in die Wuhlheide gefahren und übten dort, wie man einen Löschangriff aufbaut oder die Einsatzstelle richtig ausleuchtet. Wenn wir mit Wasser gearbeitet haben, kamen dabei der Spaß und die Gemeinschaft nie zu kurz, Wasserschlachten waren an der Tagesordnung.

Mit 17 begann ich mich in der aktiven Wehr vorzustellen und besuchte ein halbes Jahr später den Feuerwehrgrundlehrgang. Diesen müssen alle zukünftigen Mitglieder durchlaufen. Dort werden uns die Grundfertigkeiten in verschiedenen Modulen gelehrt. Insgesamt dauert dieser Lehrgang ca. drei Monate und macht unglaublich viel Spaß. Man lernt so viele neue Leute kennen und hat am Ende viel Wissen und Fertigkeiten, die man anschließend auf seiner Wache festigen kann.

Und mit etwas Glück lernt man dort noch zusätzlich neue Freunde kennen. Da wird dann die Kameradschaft zur Freundschaft oder auch andersherum. Wobei Kameradschaft teilweise noch mehr bedeutet, weil man sich blind aufeinander verlassen können muss. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen. Klar, mit Freunden hast du Spaß – aber mit deinen Kameraden gehst du ins Feuer!

Als ich mit der Grundausbildung fertig war, engagierte ich mich dann wieder für unsere Jugendfeuerwehr und wurde zur stellvertretenden Jugendwartin gewählt.

Du hast vor einiger Zeit eine Jahr Elternzeit genommen und bei der FF pausiert. Wie war das für dich?

Als ich schwanger wurde, durfte ich noch bis zum dritten Monat an Einsätzen teilnehmen. Danach ist die Verantwortung für das Ungeborene größer als das Verlangen, unbedingt dabei bleiben zu wollen.

Allerdings fiel es mir schon schwer, plötzlich aufzuhören. Ein Wohnort- und Wachwechsel erleichterten mir das Ganze etwas. Danach stellte ich mich bei der FF Falkenberg vor und wurde herzlich aufgenommen. Auch dort habe ich mich dann weiterhin für die Jugendarbeit engagiert.

Zunächst hatte ich noch ein paar Vorurteile, wie es wohl wird, wenn man zusammen mit seinem Partner auf einer Wache ist. Es stellte sich heraus, dass es kaum besser geht: Wir teilen das gleiche Hobby und haben die gleichen Ziele. So arbeiten wir sehr eng zusammen und teilen sehr viele positive Erlebnisse.

„Feuerwehr heißt auch Familie und so leben wir das in Falkenberg.“

Das ist ein gutes Stichwort. Dein Mann ist auch sehr aktiv bei der Feuerwehr und ihr habt eine kleine Tochter. Wie schafft ihr so nebenbei noch euer Familienleben?

Dadurch, dass wir immer miteinander sprechen und organisiert sind, ist es für uns relativ entspannt, alles unter einen Hut zu kriegen. Unsere Tochter wächst bei der Feuerwehr auf und wird dort groß. Sie kennt es gar nicht anders, als dass Mama und Papa bei der Feuerwehr sind. Sie ist oft mit am Start und hat viel Spaß auf der Wache. Feuerwehr heißt auch Familie und so leben wir das in Falkenberg.

Dieses Jahr war unsere Tochter mit uns zusammen auf der Jugendfahrt. Es stellt für uns kein Hindernis dar, ein Kind zu haben und bei der Feuerwehr zu sein. Wir integrieren sie und ich bin sehr froh, dass auch sie so herzlich wie ich in Falkenberg aufgenommen wurde.

Darum sollte es auch für keine Mutter ein Hindernis sein, zur Freiwilligen Feuerwehr zu kommen! Es ist ein schönes Hobby, das man mit seiner Tochter oder seinem Sohn teilen kann.

Profitieren Kinder also vom positiven Gemeinschaftsgefühl in der Freiwilligen Feuerwehr?

Die Werte, die einem bei der Feuerwehr vermittelt werden, sind für Kinder auf jeden Fall sehr wertvoll. Meine Geschwister sind alle jünger als ich und auch sie haben sich jedes Mal sehr gefreut, wenn ich sie mitgenommen habe. Und ich bin immer ganz stolz, wenn sie in der Kita oder Schule über mich berichten.

Generell genießt man als Feuerwehrfrau sehr große Hochachtung bei der Bevölkerung. Jedoch merkt man, dass wir immer noch zu wenige Frauen sind. Es ist leider noch nicht selbstverständlich, dass auch Frauen auf dem Löschfahrzeug sitzen.

„Es sollte für keine Mutter ein Hindernis sein, zur Freiwilligen Feuerwehr zu kommen! Es ist ein schönes Hobby, das man mit seiner Tochter oder seinem Sohn teilen kann.“

Die Quote bei der FF steigt, aber nach wie vor sind Frauen in der Unterzahl. Was bedeutet es für dich als Frau dabei zu sein? Wie würdest du andere Frauen motivieren mitzumachen?

Nur weil wir Frauen sind, sind wir nicht weniger wert oder können weniger leisten. Jeder Mensch hat seine Stärken, egal welchen Geschlechtes, ob jung oder alt.

Als Frau muss man sich gelegentlich noch etwas mehr beweisen und zeigen, was man kann. Aber sobald man seine Position im Team gefunden hat, wissen alle, wie wichtig jede einzelne Kameradin ist!

Ich als Mutter weiß z. B. sehr gut mit Kindern umzugehen und auf sie einzuwirken. Bei Notfällen, wo wir zuerst eintreffen, ist es sehr von Vorteil, wenn der Staffelführer seine Leute kennt und weiß, wen er vorschicken kann, um die besten Ergebnisse in den jeweiligen Situationen zu erzielen.

Jede/r aus der Freiwilligen Feuerwehr hat zudem noch einen anderen Job, mit dem er/sie sein Geld verdient. Dadurch kommt ein enormes Spektrum an zusätzlichem Wissen hinzu, welches wir uns bei der FF ebenso zunutze machen können.

„Jeder Mensch hat seine Stärken, egal welchen Geschlechtes, ob jung oder alt.“

Du bist bei der Jugendfeuerwehr als Ausbilderin tätig. Was genau macht ihr da?

Wir bereiten die Jugendfeuerwehr auf reale Einsätze vor. Die Kinder und Jugendlichen sollen viel Spaß bei der ganzen Sache haben – und gleichzeitig eine Menge Wissen mitnehmen können.

Angefangen beim Notruf, über Erste-Hilfe-Maßnahmen bis hin zum Feuerlöschen. Ab dem 16. Lebensjahr – also nach der Verleihung der Leistungsspange – wird ihnen ermöglicht, auch an echten Einsätzen teilzunehmen.

Wir organisieren tatsächlich sehr viel Verschiedenes für unsere JF, denn bei einem Hobby darf, trotz aller Ernsthaftigkeit, natürlich der Spaß nicht zu kurz kommen. Freitags machen wir immer Dienstsport mit den Jugendlichen. Da treffen wir uns für zwei Stunden in der Sporthalle direkt neben unserer Wache zum Gemeinschaftssport.

Einmal im Jahr fahren wir auch alle zusammen weg, das ist unser Highlight – die Sommerfahrt. Wir versuchen zu ermöglichen, dass alle, die möchten, auch mitkommen können. Denn bei der Feuerwehr bleibt keiner zurück.

Es macht mich sehr glücklich zu sehen, dass auch immer mehr Mädchen zu uns in die JF kommen. Und gerade deswegen ist es mir wichtig, hier sehr präsent zu sein und den jungen Frauen ein Vorbild zu sein.

„Es ist mir wichtig, hier sehr präsent zu sein und den jungen Frauen ein Vorbild zu sein.“

Letzte Frage: Siehst du Parallelen zwischen deinem Beruf und deiner Tätigkeit bei der FF? Kannst du dort etwas nutzen, was du bei der FF gelernt hast?

Die Tätigkeiten von Polizei und Feuerwehr liegen manchmal sehr dicht beieinander. Ich denke, da ist es für mich sehr hilfreich zu wissen, wer wie arbeitet. Ich kann zum Beispiel meine Kameraden darauf hinweisen, dass sie erstmal abwarten sollen, bis die Polizei kommt.

Und als Polizistin profitiere ich von einem gewissen Feuerwehr-Know-how, welches ich in meinem Polizeiberuf genauso gut anwenden kann. Nicht jeder Polizist kennt sich mit den rettungsdienstlichen Maßnahmen in einem solchen Umfang aus, wie ich es bei der FF gelernt habe. Und so haben wirklich alle in der Feuerwehr ihre besonderen Fertigkeiten, die sie anwenden können.

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