„Bei der Feuerwehr lebt man die Kameradschaft, und da sind alle gleich.“

Familie Heimesaat ist in der dritten Generation Teil der Freiwilligen Feuerwehr. Kai, Uwe, Lukas und Lea berichten über das Hineinwachsen ins Ehrenamt, wie gut sich gemischte Teams ergänzen, wie man Familie und Feuerwehr vereint – und warum es eher Teamplayer als Einzelkämpfer braucht.

Namen
Kai Heimesaat
Uwe Heimesaat
Lukas Heimesaat
Lea Heimesaat

Wache
FF Köpenick

Kai und Uwe, die Freiwillige Feuerwehr hat in eurer Familie eine lange Tradition. Erzählt doch mal, wer war zuerst dabei und wie ging es dann weiter?

Kai: Unsere Eltern waren beide bei der Freiwilligen Feuerwehr. Man könnte also sagen, wir wurden in die Freiwillige Feuerwehr hineingeboren. Wir sind schon als kleine Kinder auf der Feuerwache unterwegs gewesen und haben dort gespielt, danach ging es dann in die Jugendfeuerwehr und von da aus zur Freiwilligen Feuerwehr. Wir sind also schon lange dabei.

Und was begeistert euch am meisten an der Freiwilligen Feuerwehr, was ist das Besondere daran?

Lukas: Die gute Kameradschaft.

Uwe: Zunächst einmal der Aspekt der Hilfeleistung, dass man anderen Menschen etwas Gutes tut in der Not. Dann natürlich auch der Teamgeist, die Kameradschaft.

Kai (lacht): Und es ist eine gute Freizeitgestaltung. Da hat man zu Hause was zu erzählen. Das Besondere an der Freiwilligen Feuerwehr ist natürlich auch, dass wir alle noch unterschiedliche Berufe haben und jeder sich mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen kann. Da kommen ganz unterschiedliche Leute zusammen, seien es Ärzte, Juristen, Elektriker oder Sanitäter. Alle können ihr Wissen einbringen, ihre Erfahrung weitergeben. Auf diese Weise kann man sich sehr gut gegenseitig ergänzen und unterstützen.

„Das Besondere an der Freiwilligen Feuerwehr ist auch, dass wir alle unterschiedliche Berufe haben und jeder sich mit seinen Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen kann.“

Ihr seid alle vier bei der gleichen Wache und habt somit auch gemeinsame Einsätze. Wie ist das so und gibt es einen Unterschied zu der Zusammenarbeit mit anderen Kameraden und Kameradinnen?

Lukas: Nein, das macht überhaupt keinen Unterschied. Bei der Feuerwehr ist man gedanklich sowieso etwas distanzierter von der Familie, denn dort lebt man die Kameradschaft, und da sind alle gleich.

Kai: Das sollte man auch so machen. Man weiß natürlich, dass es Familie ist, aber in dem Moment ist es ein Kamerad oder eine Kameradin.

Kennt ihr noch mehr Familien, die sich so stark in der Feuerwehr engagieren oder würdet ihr sagen, dass ihr eher eine Ausnahme seid?

Uwe (lacht): Da gibt’s schon noch mehrere, die da familiär veranlagt sind. Das sind dann nicht unbedingt gleich vier Leute, so wie bei uns, aber klar, das gibt es schon öfters.

„Man kann seine Zeit schon ganz gut planen und mit der Familie vereinen. Natürlich ist es auch wichtig, dass der Partner oder die Partnerin das Ganze unterstützt.“

Bleibt denn neben der Freiwilligen Feuerwehr noch Zeit für andere Freizeit- und Familienaktivitäten?

Uwe: Ja, das ist auf jeden Fall möglich. Dadurch, dass wir geregelte Dienste haben, kann man seine Zeit schon ganz gut planen und mit der Familie vereinen. Was nebenbei natürlich immer mal anstehen kann, ist die Wachbesetzung, bei der sich alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr auf der Wache sammeln müssen. Da wird man natürlich schon mal rausgerissen, gerade wenn man etwas unternimmt. Natürlich ist es auch wichtig, dass der Partner oder die Partnerin das Ganze toleriert und unterstützt, gerade wenn man auf Feierlichkeiten ist oder mal mitten in der Nacht weg muss. Da sagen Lukas, Lea und ich dann jedes Mal „Danke, Mutti!”.

Lea: Hinzu kommt, dass wir nebenbei noch die Jugendfeuerwehr betreuen. Da hängt natürlich auch viel Zeit dran – viele Vorbereitungen trifft man von zu Hause aus.

Uwe: Wir machen auch viel Öffentlichkeitsarbeit mit der Jugendfeuerwehr, wie Lea eben schon angesprochen hat. Wir fahren dann zum Beispiel in Kitas oder Schulen, wenn diese den Tag der offenen Tür haben. Die Kinder können sich dann das Auto angucken und die Jugendfeuerwehrleute zeigen, was sie können und gelernt haben. Wir machen dort Nachwuchsgewinnung, und die kleinen Zwerge freuen sich natürlich immer auf uns.

Lukas: Gerade in den warmen Monaten, wenn viele Vereine und Kindergärten ihre Sommerfeste machen, ist man dann schon mal von Freitag bis Sonntag eingespannt, in Öffentlichkeitsarbeit und Regeldienste. Da fallen die Wochenenden relativ flach und es kommt oft vor, dass man an verschiedenen Orten unterwegs ist.

Könnte man denn sagen, dass die Öffentlichkeitsarbeit eine der wichtigsten Quellen zur Nachwuchsgewinnung ist, weil man die Leute im direkten Gespräch überzeugen kann, mal vorbeizukommen?

Lukas: Ja, auf jeden Fall.

Lea: Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die Kinder sich freuen, wenn die Feuerwehr kommt. Wenn man dann für sie da ist, wenn sie sich ins Auto setzen dürfen, man ihnen alles erklären kann, wenn man ihnen zeigen kann, wie viel Spaß man selber hat und sie dann auch Spaß dran haben.

Lea und Lukas, war denn für euch sofort klar, dass ihr auch zur Freiwilligen Feuerwehr wollt? Damit seid ihr ja inzwischen die 3. Generation in eurer Familie.

Lea: Ja, definitiv. Es war nie ein Zwang, dass wir zur Freiwilligen Feuerwehr gehen. Wir durften uns das anschauen, es hat uns anscheinend gefallen – und wir sind dabei geblieben. 

Lukas: Wir wurden ja von klein auf mitgenommen und haben es somit gar nicht anders kennengelernt. Es war klar: „Papa geht zur Feuerwehr, da möchte ich mitkommen.” Dann waren wir halt am Wochenende dabei. So lief es dann weiter ...

Lea: … und irgendwann waren wir acht Jahre alt, und durften in die Jugendfeuerwehr und jetzt sind wir immer noch dabei.

Und falls es euch irgendwann beruflich woanders hinziehen sollte, würdet ihr dann dort auch wieder in die Freiwillige Feuerwehr gehen?

Lukas: Definitiv.

Lea: Ja, ich würde mir das auf jeden Fall anschauen, wie es so ist. Das Team ist natürlich immer wichtig, das muss schon passen. Feuerwehr ist auch nicht zu vergleichen mit anderen Vereinen, wie zum Beispiel einem Schwimmverein, weil es einfach eine ganz andere Kameradschaft ist. Man muss immer zusammenarbeiten, egal was los ist. Du musst dich mit den anderen verstehen und im entscheidenden Moment einfach funktionieren.

„Feuerwehr ist nicht zu vergleichen mit anderen Vereinen, weil es eine ganz andere Kameradschaft ist. Man muss immer zusammenarbeiten, egal was los ist.“

Da hast du einen interessanten Aspekt angesprochen. In einem Sportverein lernt man natürlich auch, wie Gemeinschaft funktioniert, aber bei der Freiwilligen Feuerwehr erlebt man ja auch schicksalhafte Dinge, das hat wahrscheinlich eine andere Tiefe als ein sportlicher Wettkampf, oder?

Lukas: Bei einigen Sportarten, also zum Beispiel beim Tennis, ist man doch eher Einzelkämpfer. Das funktioniert bei der Feuerwehr nicht. Da muss jede Hand zur anderen passen. Wenn das nicht läuft, dann geht’s nach hinten los. Da ist es schon gut, wenn man sich lange genug kennt und weiß, was der andere kann oder nicht kann. Darauf kann man dann eingehen. Viele, die bei uns anfangen, kommen schon aus der Jugendfeuerwehr und kennen dieses Prinzip jahrelang.

Uwe: Man könnte aber auch Leute aus unterschiedlichen Wachen in ein Auto einsperren und es würde funktionieren. Auch wenn wir uns nicht kennen, weiß jeder, was er zu tun hat. Wir sprechen alle eine Sprache. 

Man muss also grundsätzlich ein Teamplayer sein.

Lukas: Ja, genau.

Noch mal eine ganz andere Frage: Unterscheiden sich die einzelnen Wachen stark voneinander?

Uwe: Es gibt schon Unterschiede. Wir zum Beispiel sind mit unserem Standort an eine Berufsfeuerwehr angegliedert, das ist bei anderen Wehren nicht so, da hat die Freiwillige Feuerwehr ein eigenes Gebäude. Wir kommen aus einem größeren Einzugsgebiet zur Wache. Anders läuft es in kleineren Orten. Bei uns in Köpenick haben wir in der Nähe noch Friedrichshagen, Grünau, Wilhelmshagen, Müggelheim, das sind schon eigene Dörfer. Da funktioniert auch die Nachwuchsgewinnung und die Förderung der Freiwilligen Feuerwehr ganz anders.

Lukas: Wir haben drei Regeldienste im Monat. Die Mitglieder der anderen Wehren ringsherum treffen sich jeden Freitag oder auch öfter. Das ist dann schon noch ein anderer Zusammenhalt. Wir sehen uns dreimal im Monat, wenn du ein- oder zweimal nicht dabei bist, dann hast du quasi schon den Anschluss verpasst. Das ist natürlich bei den Dorfwehren nicht so. Die sehen sich insgesamt öfter.

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